Sozialarbeit mit Niños Especiales

Ich erzähl euch noch ein bisschen über meine soziale Arbeit mit Beeinträchtigten letzte Woche:

Die Arbeit in der Lavandería (=Wäscherei) ist eigentlich ziemlich unterhaltsam. Ich falte die Wäsche, häng Wäsche auf und häng Wäsche wieder ab. Nebenbei unterhalten sich die Wäschefrauen und ich übe mein Spanisch.

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Nach 3 Stunden (wobei 1/2 Stunde davon Kaffee getrunken und Tortillas mit Frijoles gegessen wird) gehe ich zu den „chiquitos“, zu den Beeinträchtigten und darf helfen sie mit Brei zu füttern. Das ist ein Erlebnis für sich. Manche sind zuckersüß und brav und andere sträuben sich mit allen Mitteln etwas essen zu müssen. Es ist auf jeden Fall eine riesen Sauerei. Ich versteh jedoch diejenigen, die sich sträuben etwas zu essen, denn es ist jeden Tag der gleiche Gemüsebrei den sie vorgesetzt bekommen. Ich hätte auch nicht Lust jeden Tag das gleiche zu essen ..

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Unser ältester Schützling ist 45 Jahre alt, der Jüngste gerade mal 1 Jahr. Das Baby ist echt zuckersüß. So weit ich das erkennen kann, sieht es auch ganz normal aus, bloß seine Augen blicken ins Nichts. Es liegt kaum in seinem Platz, weil es die ganze Zeit von den Betreuern durch die Gegend getragen wird. Einer der „niños especiales“ wollte mal nicht essen, da hat die Betreuerin mit dem Baby auf der Hand gesagt, wenn er brav isst, darf er das Baby auf den Arm nehmen und auf die Wange küssen und hat gleichzeitig dem kleinen ganz viele Bussis auf die Wange gegeben. Plötzlich war er richtig schnell mit seinem Brei fertig, bekam vorsichtig das Baby und gab ihm lautstark nasse Küsse auf die Wange.

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Das ist Samuel. Sein großes Hobby ist mit einer Hand mit seinem Rollstuhl durch das ganze Gebäude zu düsen. Hier hat er mich gerade in der Wäscherei besucht.

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Zu Mittag und am Nachmittag läuft lautstark Kinderfernsehn. Wie jeder weiß wird in solchen Sendungen viel gesungen, aber ich wusste nicht, dass Kinder bzw in meinem Fall „Riesenbabys“ so stark auf diese Musik ansprechen. Als ich Miguel heute gefüttert hab wurde mir das erst richtig bewusst. Bei jedem Lied lachte er vor Freude, zappelte mit den Beinen, wedelte mit den Händen und bewegte seinen Kopf in alle möglichen Seiten. Da hatte ich mit meinem Brei natürlich schlechte Karten gezogen, aber sofort als im Kinderfernsehn geredet wurde und das Lied verstummt war aß er ganz brav .. bis er herausgefunden hatte dass es ein lustiges Geräusch gibt, wenn er sich selbst aufs Ohr haut ..

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Meine Gastmutter hat mir erzählt, dass hier in Guatemala jedes 10. Kind beeinträchtigt auf die Welt kommt. Ich weiß nicht was für Behinderungen sie da alles mitgerechnet hat, aber das klingt schon ziemlich viel! Sie meint, dass der Grund dafür die einseitige Ernährung während der Schwangerschaft wäre.

 

ES IST SO SCHLIMM WIE DIE ZEIT VERGEHT! Ich schwöre es war mein erstes Mal hier in Guatemala, dass ich geweint hab! Ich vermisse meine Katzen, meine Familie und Freunde und natürlich meinen Schatz .. aber das ist nicht der Grund dafür. Oh Mann! Ich bin einfach nur noch eine einzige Woche hier, aber ich will nicht gehn! Die Familie, mit der ich schön langsam warm werde, weil ich jetzt auch was sagen kann; die Schule, wo ich jeden Tag merke, dass ich mehr und mehr Spanisch lerne; wie einfach jeder Tag ein neues Abenteuer beschert, egal ob Wäsche mit der Hand waschen oder die beeindruckenden Ruinen der Maya zu sehen; das Freiwilligenprojekt, in dem ich nur eine einzige Woche sein kann und trotzdem das Gefühl hab, ich würde die Welt ein kleines bisschen verbessern; und natürlich all die neu gewonnenen Freunde! Wir sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der Eine verrückter als der Andere. Ohne diese Reise hätte ich all diese tollen Menschen nie kennen gelernt.

Was ich sonst noch alles vermissen werde:

  • Tiendas (=Shopps) an jeder Straßenecke
  • Lady’s nights mit Freigetränken, Massage und Maniküre
  • Wackelige und holperige Busfahrten in kombination mit lauter Latino Musik
  • Die Taverne – das einzige Restaurant in San Juan del Obispo
  • Frijoles, Tortillas und Avocados ♡
  • Licuardo de banano y fresa con agua
  • Bunte Straßenmärkte
  • Wäsche mit der Hand schrubben und hoffen, dass es nicht regnet
  • Hardcore Arobic mit einem Trainer, der jedes mal vor Beginn eine Motivationsrede auf spanisch hält
  • Das Klima: Land des ewigen Frühlings
  • Kaffee, Tee und Wasser zusammen mit Nispero, Nüsse und Sonnenschein – so wie in den meisten Pausen in der Sprachschule
  • Die Geschmacksexplosionen, die das Gemüse und Obst auslösen
  • Das klatschende Geräusch wenn man im der Früh, zu Mittag oder am Abend an einem Tortilla Laden vorbei geht wo die Frauen die Tortillas formen
  • Und Tortillas überhaubt! Am besten zu jeder Malzeit

Einiges dieser Dinge wird es bestimmt auch in Honduras geben, aber zu Hause werd ich es furchtbar vermissen, das weiß ich jetzt schon!

3 Gedanken zu “Sozialarbeit mit Niños Especiales

  1. Danke für diesen Einblick… Habe ihn mit einer Mischung aus Gänsehaut und Lächeln gelesen… Anscheinend scheint es den Menschen dort recht gut zu gehen? Die Ernährung ist natürlich aber nicht besonders wertvoll 😦 schade, denn gerade gutes und leckeres Essen verschöndert doch das Leben. Ist zu wenig Geld, zu wenig Zeit oder zu wenig Bewusstsein da?
    Toll, dass Du dort warst, ich weiß nicht, ob ich es könnte… Ich habe selbst einen Bruder mit Behinderung und bin da sehr nah am Wasser gebaut und könnte so einige dieser Menschen nach einem Besuch dort wohl gar nicht zurücklassen…
    Eine schöne Zeit wünsche ich dir dort noch!
    LG Franziska

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