León, die Stadt des Löwens

Den Weg vom „Lago Yojoa“ in Honduras nach „León“ in Nicaragua hatten wir eindeutig unterschätzt. Das ist ein verdammter Tagestripp!

  • Erst mit dem Bus 4 Stunden zur Hauptstadt Tegucigalpa
  • dann mit dem Taxi 1/2 zu einem anderen Bahnhof
  • von dort aus mit dem Bus 2 Stunden zur Nicaragua Grenze um sich dort  circa 1 Stunde lang ausreise und einreise Papiere ausfüllt
  • dann 2 Stunden zum nächstgrößeren Ort in Nicaragua „Ocotal“
  • und von dort aus 2 1/2 Stunden zu der Stadt „Estelí“

Zusammen mit einem holländischen Pärchen sind Paul und ich dann für eine Nacht in der kleinen Stadt „Estelí“ geblieben.

Am nächsten Tag versuchten wir dann unser wahres Ziel zu erreichen: León. Die Fahrt dort hin war jedoch nicht so rosig. Der Bus verkaufte nämlich Steh-Tickets und Tickets mit Sitzplätzen. Wir waren natürlich so schlau und haben aus versehen „billete a pie“ gekauft – Stehtickets. Der Bus war mehr als voll. 2 1/2 Stunden standen wir eingezwängt da. An jeder Seite berührt dich eine andere Person, der Rucksack deines Vordermannes drückt dir ins Gesicht, aber du hast keine Chance dich davon weg zu bewegen, die Luft ist heiß, jemand hat Gepupst, du versuchst krampfhaft einen freien Platz für deine Hand zu finden um dich bei den wilden Kurven und der unruhigen Straße festhalten, umfallen ginge sowieso nicht. Jetzt weiß ich warum man die Busse hier auch „Chickenbus“ nennt. Ich hab mich gefühlt wie ein Hühnchen in einem Käfig für Massentierhaltung.

Beim Aussteigen aus dem Bus trafen wir 3 junge Leite aus Deutschland, die in Nicaragua ihr Freiwilliges Soziales Jahr (=FSJ) machen. Dank ihnen erfuhren wir, dass am gleichen Tag noch eine fette Party am Strand sein sollte, 15 Minuten entfernt von León.

Die ganze Stadt war in Aufruhr, da der 7. Dezember ein Feiertag zu ehren der Heiligen Jungfrau Maria in ganz Nicaragua gefeiert wird. Es war noch Tag, aber schon da hörte man von überall Feuerwerke krachen. Die Straßen waren voll mit Menschen und aus den Häusern und Lokalen schauten Maria Statuen und Abbilder hervor, stark beleuchtet und mit kirchlichem Gedüdel im Hintergrund.

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Wir wussten nichts von dem Fest und das Hostal zu dem wir gehen wollten hatte keinen Platz mehr frei für uns. Aber sie kannten jemanden mit freien Plätzen, der ein bisschen weiter weg vom Zentrum wohnt. Dorthin fuhren sie uns sogar mit dem Auto. Im Endeffekt kamen wir zu einer um die 30 Jahre alten Frau namens Juana, die ihr eigenes Haus vermietet.

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Wir dürfen ihr Bad, ihre gesamte Küche und die Waschvorrichtung für die Klamotten benützen. Manchmal, wenn sie zu viel kocht dürfen wir auch die Reste essen, zum Beispiel von der Fischsuppe und sie machte uns den ein oder anderen Frucht Smoothie mit Eis. Ihr 19 Jahre alter Sohn Rosmel erklärte uns gleich alles wissenswertes über diese Party am Strand. Er hatte leider keine Zeit um mitzukommen, aber er hat uns später mit fem Auto dort hin gefahren.

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Der Eintritt für die Party war ziemlich teuer: 500 Cordoba, das sind um die 17€. Jedoch war es diese legendäre Party echt wert! Wie all die anderen teilweise echt verrückt aussehenden Traveler haben wir getanzt, Billiard gespielt, getrunken und gefeiert bis ich auf die glorreiche Idee kam ohne Schuhe tanzen zu wollen. Danach waren meine Schuhe natürlich nicht mehr dort wo ich sie versteckt hatte. Seitdem hab ich keine Schuhe mehr. Nur noch ziemlich mitgenommene Turnschuhe, die viel zu warm sind für die täglichen 40 Grad Celsius.

Die Leute die hier wohnen tragen bei diesen heißen Temperaturen allen ernstes lange Jeans während ich mich daneben mit meinen luftigen Röcklein zu Tode schwitze. Ob das Trend oder nur eine Gewöhnungssache ist weiß ich nicht.

An einem Tag hab wir einen richtig braven Stadt und Kultur Tag eingelegt. Wir waren in der „Catedral de León“, in einem Kunstmuseum und haben eine Tour durch das Museum der Revolution gemacht. Die Revolution war im Jahr 1979. Mir wurde erst bewusst, dass das gar nicht so lang her ist als unser Führer auf ein Bild zeigte wo zwei junge Burschen mit ihren Flinten hinter einem Schutzwall kauern und sagte: Das bin ich. Ich war 16 Jahre alt.

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Über die Reiseagentur Quetzaltrekkers haben wir eine 2 Tageswanderung gemacht. Quetzaltrekker spendet all die Einnahmen an soziale Projekte in der Umgebung. Die Guides für die verschiedenen Wanderrouten sind alle selber Reisende aus aller Welt, die gerne wander und die hier Freiwillig arbeiten. Ihr Slogan ist: Hike volcanos – help kids. Unsere zwei Guids waren Lóta aus Finnland und Jack aus den Staaten.

Unsere Wanderung begann um 7 Uhr am Morgen mit einem leckeren Frühstück, denn all das essen für die 2 Tage war Teil der Tour. Danach wurden unsere Rucksäcke gepackt. Jeder musste mindestens 8 Liter Wasser nehmen, einen Schlafsack, Matte, ein Zelt oder ein Teil des Essens. Mein Rucksack war auf meiner gesamten bisherigen Reise noch nie so voll, und vor allem so schwer gewesen. Eine Stunde sind wir mit dem Truck zum Vulkan Cerro Negro gefahren. Das ist der jüngste Vulkan in ganz Zentralamerika. Ihn gibts erst seit ein paar Jahrzehnten und er bricht alle paar Jahre mal aus. Wir sind mit unseren Boards, die eigentlich bloß Holzbretter sind, auf den Vulkan geklettert. Der Anstieg war echt nicht leicht, da man bei jedem Schritt wegen dem schwarzen Sand wieder ein bisschen zurück rutscht. Schwarz ist außerdem nicht nie beste Farbe wenn es brechend heiß ist.

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Das ist die Sicht vom oben.

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Gleich daneben ist ein riesiger Vulkankrater.

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Wir bekamen alle ein sexy Outfit verpasst und los gings.

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Das Sandboarden war völlig anders als ich mir das vorgestellt hatte. Ich dachte an Snowboarden, nur eben auf Sand. Tatsächlich aber saß ich dann auf dem Board wie auf einem Rutschteller und ratterte geradewegs runter. Der Anfang der Fahrt hat mir richtig Spaß gemacht, dann wurde es jedoch immer schneller und schneller und steiler und steiler und ich verlor die Kontrolle über die Geschwindigkeit. Beim Versuch langsamer zu werden flogen mir Sand und kleine Steine ins Gesicht und ich war ziemlich froh heil unten angekommen zu sein und die Steine in meinem Mund wieder ausspucken zu können.

Unser nächstes Ziel war der Vuökan „El Hoyo“, was so viel heißt wie „das Loch“, denn der Vulkan hat mehrere unerforschte riesige Löcher. In der Nähe von einem dieser Löcher schlugen wir nach einer harten Wanderung unser Zeltlager auf und bauten ein Lagerfeuer um zu kochen.

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Ein unglaublicher Ausblick!!

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Der Sonnenuntergang am Vulkan.

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Am Abend haben wir unter sternklarem Himmel unser Essen über dem Lagerfeuer gekocht.

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Sonnenaufgang mit Ausblick auf die Seen und Vulkane.

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Nachdem wir durch den Jungle gewandert waren erreichten wir den Kratersee Asososca. Ein Sprung ins Wasser war richtig angenehm nach all dem wandern.

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Die Wanderung war wunderschön wobei ich sagen muss dass die 40 Grad Celsius nicht meine liebste Temperatur für so was ist.

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Nicaragua ist im vergleich zu Guatemala und Honduras richtig fortschrittlich. Es gibt fixe Buspläne, die sogar online verfügbar sind, die Straßen sind in einem ziemlich guten Zustand und ich fühle mich viel sicherer hier. In Guatemala und Honduras bin ich ziemlich selten anderen Reisenden aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz begegnet. In Nicaragua ist es genau umgekehrt. Es scheint als ob wir deutschsprachigen Nicaragua als fixes Reiseziel in Mittelamerika ausgewählt hätten. Überall hör ich jemanden Deutsch reden! Manchmal will ich das aber gar nicht hören ..

 

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